Grundkurse bei Community-Radios — Zusammenenfassung der Studienergebnisse
Im Zusammenhang m mit der GRUNDTVIG Lernpartnerschaft MEDIA PARTICIPATION FOR ACTIVE CITIZENSHIP (2011–2013)wurde eine Studie durchgeführt, die Grung- und Einstiegskurse bei Community-Radios untersuchte. Diese Studie wurde an alle am Projekt beteiligten Radiosender ausgegeben.
Zwischen Februar 2012 und Juni 2013 haben 23 Personen einen Fragebogen zu den 20 repräsentierten Sendern ausgefüllt:
Als da wären:
Aus der Schweiz die Radioschule klipp+klang, Radio Bern RaBe, Radio Kanal K (Aarau), Radio X (Basel) und Radio LoRa (Zürich)
Aus Österreich COMMIT (Community Medien Institut), Radio ORANGE 94.0 (Vienna), Radio FRO (Linz), Radio Helsinki (Graz), FREIRAD 105.9 (Innsbruck), Proton (Dornbirn), Freies Radio Freistadt, Radio op (Oberpullendorf)und Freies Radio B138 (Kirchdorf)
Aus Ungarn der Bund Freier Radios Ungarn und Civil Radio (Budapest)
Aus Irland Near FM (Dublin)
Aus Deutschland: Radio Corax (Halle), Pi Radio (Berlin), FSK (Hamburg), Radio Unerhört (Marburg) und Radio Frei (Erfurt)
Zielgruppen und Reichweite der Kurse
Alle Grund- und Einstiegskurse sind prinzipiell für jeden und jede offen, der oder die sich sich für die Produktion von Radiosendungen interessiert. Wobei viele Stationen den Fokus auf Minderheiten und MigrantInnen als Zielgruppen legen. So sagen z. B. die Leute von Radio Helsinki: “Vor allem kulturelle und ethnische Minderheiten und Menschen mit unzureichendem Zugang zu Massenmedien auf Grund von Diskriminierung sind willkommen. Aber auch Schulklassen und Teams von NGOs (Radio FRO), ältere Bürger und politische AktivistInnen (Civil Radio), Auszubildende im Nachrichtensektor (RaBe), PraktikantInnen (Radio CORAX), Schüler (FREIRAD), Jugendzentren (Proton), SchülerInnen und zweisprachig aufwachsende Bewohner der Region (Radio op) und die queer-feministische Community, Umwelt- und Polit-AktivistInnen (Radio Orange) gehören zu den besonders hervorgehobenen Zielgruppen.
Die Leute nehmen auf freiwilliger Basis an den Kursen teil. Mit einer Ausnahme: Freies Radio Freistadt gibt obligatorische Schnupperkurse für SchülerInnen in Zusammenarbeit mit örtlichen Schulen.
Die Kurse werden in der Regel mittels gängiger Kommunikationswege, über die die Sender verfügen, beworben (Webseiten, Programmhefte, Mailinglisten,soziale Netzwerke, Radiospots). Einige Sender nutzen auch die Lokalzeitungen. Viele nutzen Kontakte zu Institutionen, wie Arbeitsamt, Organisationen für und von MigrantInnen u.s.w.
als wichtige Möglichkeit, TeilnehmerInnen zu werben.
Förderung und Finanzierung
In der Schweiz werden die Kurse von der amtlichen Agentur für Kommunikation (BAKOM) co-finanziert. In Österreich gibt es durch den BTR ein ähnliches Modell. Außerdem werden folgende Wege der Finanzierung erwähnt: Amt für Erwachsenenbildung, Europäischer Integrationsfond (Near FM), Medienstiftung (FSK), Jugendwerk der AWO in Sachsen-Anhalt (Radio CORAX). Bei ca. der Hälfte aller befragten Radios müssen die TeilnehmerInnen für die Kurse nichts oder nur einen symbolischen Betrag zahlen. Drei Sender tragen die kosten für die Einstiegskurse komplett ohne institionelle Förderung oder Beteiligung seitens der TeilnehmerInnen. Die Kurse bei Radio FREI und Pi-Radio werden nicht finanziert und die AusbilderInnen bekommen kein Entgelt. Auch bei FSK, Civil Radio und Radio Proton arbeiten die KursleiterInnen auf freiwilliger Basis, während sie bei Radio op und Near FM oft, wenn auch nicht immer bezahlt werden. Alle anderen erhalten Geld für ihre Tätigkeit als KursleiterInnen. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass es in Deutschland und Ungarn weniger externe Förderung gibt als in der Schweiz, Österreich und Irland.
KursleiterInnen
In Österreich, Deutschland, Ungarn und Irland werden die KursleiterInnen normalerweise vom Vorstand oder ähnlichen Gremien der Radios ausgewählt. In der Schweiz wählt die Radioschule klipp+klang die KursleiterInnen entsprechend der Absprachen mit den einzelnen Sendern aus. Deshalb kommen die AusbilderInnen auch von anderen Sendern — abgesehen von denen, die die Studio- und Radiotechnik vor Ort erklären. Das stärkt zum einen den Austausch zwischen den Community-Radios und sorgt zum anderen dafür, dass die KursleiterInnen neutral sind.
Mit Blick auf ihre Fähigkeiten ist es entscheidend, dass die KursleiterInnen mit der Arbeit im Radiobereich vertraut sind. In Deutschland und Österreich ist es erforderlich, dass die AusbilderInnen bei den Sendern Erfahrungen haben, bei denen die Kurse stattfinden. Einige Sender erwähnen diese Erfahrung explizit als Voraussetzung. Radio CORAX betont extra, dass die AusbilderInnen selbst regelmäßig Sendung produzieren müssen, weitere Anforderungen werden dagegen nicht benannt. Die Kurse bei Freies Radio Freistadt geben Leute von Radio FRO die Kurse (Radio FRO war an der Gründung des FRF beteiligt). In Ungarn müssen die KursleiterInnen gute Radio-Journalisten mit ebenso guter Sozialkompetenz sein. Near FM wählt seine AusbilderInnen nach Befähigung und Erfahrung aus. Für zertifizierte Kursteilnahme brauch die AusbilderInnen selbst ein AusbilderInnenzertifikat.
In der Schweiz werde neue KursleiterInnen von erfahrenen herangeführt. Ein bis zwei Mal pro Jahr organisiert die Radioschule klipp+klang Workshops für die AusbilderInnen — gelegentlich sowohl “Train-the-Trainer”-Workshops als auch Feedbackrunden nach begleitender Kursleitung. In Österreich veranstalten COMMIT und der VFRÖ “Train-the-Trainer-Workshops”. In Deutschland finden solche Kurse auch gelegentlich bei Radio Unerhört — dort organisiert vom Bildungszentrem Bürgermedien — und bei Radio CORAX statt. CORAX nutzt zudem informelle Treffen, um die Form der Kurse zu diskutieren. Andere Sender in Deutshland haben zwar keine “Train-the-Trainer-Workshops” aber langjährige Erfahrung und Lehrmaterialien. In Irland werden die KurleiterInnen von externen Agenturen ausgebildet.
Häufigkeit und Dauer der Grund- und Einstiegskurse
Bei den meisten Sendern gibt es 5 bis 8 Kurse pro Jahr. Bei Radio Helsinki, Radio op und Radio ORANGE in Österreich gibt es 12 und mehr Kurse pro Jahr. Bei Pi Radio gibt es keine Einstiegskurse, nur eine Kurze Einführung zur Studiotechnik.
Die Mehrheit der Kurse (8) dauert zwei bis drei Tage, 5 Kurse dauern drei bis vier Tage. Insgesamt werden für die Kurse zwischen 5 und 24 Stunden verwendet — im Schnitt also ca. 15.
Die Kurseinheiten dauern in der Regel zwischen 5 und 8 Stunden. Radio op, Radio Unerhört, Radio FREI und Near FM geben kürzere Einheiten von 2 bis 4 Stunden. Die einzelnen Sessions finden für gewöhnlich im Wochenrhythmus statt — bei Radio op liegt ein Monat dazwischen.
Auch nach den Kursen erhalten die Neulinge wenn nötig Unterstützung von Seiten der beim Sender Beschäftigten, so sie darum gebeten werden. Bei Radio B138 werden die Neulinge nach dem Einstiegskurs intensiver begleitet, da dieser nur 5 Stunden dauert. Bei einigen Sendern geben Programmverantwortliche und Angestellte den Freiwilligen Feedback zu ihren Sendungen und Beiträgen. In Österreich und der Schweiz aber auch bei Radio FREI in Erfurt gibt es zudem weiterführende Kurse zum Radio-Journalismus. Bei Radio Frei und dem FSK geben auch andere Freiwillige ihre Erfahrungen weiter. Bei Near FM besuchen die neuen Freiwilligen während der Kurse insgesamt vier Stunden Live-Sendungen.
Die Kurse
Ziele
Die Grund- und Einstiegskurse dienen dazu, journalistische Kenntnis und technische Fähigkeiten zu vermitteln, um die TeilnehmerInnen in die Lage zu versetzen, selbstständig eigene Sendungen und Beiträge zu produzieren.
Bei schweizer, österreichischen, deutschen und irischen Sendern wird besonders der Unterschied in der journalistischen Arbeit bei Community-Radios im Vergleich zu anders strukturierten Radiosendern (privat, öffentlich-rechtlich) betont.
Civil Radio in Ungarn betont besonders die Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit im allgemeinen.
Radio Helsinki und FREIRAD erwähnen zudem Medienrecht und damit verbundene pädagogische Fähigkeit als Kursziel.
Struktur
Der Kursaufbau variiert entsprechend der Ressourcen (Zeit, Personal, Geld), über die die einzelnen Sender verfügen. Azußerdem bestimmen Satzung und Ort der Sender und Vorkenntnisse der TeilnehmerInnen den konkreten Ablauf. Unter “Zusammenfassung nach Land” finden sie einzelne Beispiele.
Themen
Fast alle Grund- und Einstiegskurse greifen folgende Themen auf: Aufnahme, Bearbeitung, Studio- und Produktionstechnik, Medienrecht Moderation, viele zudem Recherche und Interview.
Die Kurse in Österreich geben Einblick in die Geschichte der Community-Radios Österreichs. In der Schweiz, in Deutschland und Irland wird auch auf die spezifische Situation der einzelnen Sender eingegangen.
Überall — in verschiedenen Formen — gibt es einen “Lesson-Learned-Check”.
Die meisten Kurse enden mit der Produktion einer Sendung. Bei B138 erstellen die TeilnehmerInnen einen Überblick über das Gelernte mittels Flipchart. Vier von fünf Sendern aus Deutschland erwähnen, dass die entstandenen Sendungen am Ende der Kurse gemeinsam angehört werden.
Die meisten Kurse beinhalten ein mündliches Feedback und eine Auswertungsrunde am Ende. — Die Radioschule klipp+klang und drei Sender (Radio ORANGE, Radio FRO, Radio FRO und Near FM) nutzen dazu Auswertungsbögen. Sobald die neuen freiwilligen SendungsmacherInnen etwas Erfahrung über den Kurs hinaus gesammelt haben, fragt Radio Orange nach, was an den Einstiegskursen zu verbessern wäre und passt den Ablauf der Kurse entsprechend diesen Anregungen an.
Grundkurse bei Community Radios in Europa — Zusammenfassung nach Land
Wir haben Rückmeldungen von 20 Radios/Institutionen erhalten:
8n in Österreich, 4 in der Schweiz, 2 in Ungarn, 1 in Irland, 5 in Deutschland.
Schweiz: Radio Schule klipp+klang, Radio Bern RaBe, Radio Kanal K und Radio X
1) Kontext und formale Aspekte — Im Schnitt finden pro Jahr und Radiosender vier Einstiegskurse statt, deren Zielgruppe hauptsächlich jungen Menschen sind, die auf freiwilliger Basis eine eigene Sendung gestalten wollen. Aber auch Auszubildende aus der Nachrichtenabteilung nehmen an diesen Kursen teil. Ihr biographischer Hintergrund spielt eine untergeordnete Rolle; auch Menschen ohne Kenntnis der deutschen Sprache sind willkommen.
Die meisten der Kurse organisiert die Radio Schule klipp+klang. Jeder Sender verteilt die Broschüren der Schule, verschickt E‑Mails an die neuen TeilnehmerInnen und Newsletter an Interessierte. Außerdem werden die Kurse auf den Webseiten der Sender und auf www.klippklang.ch angekündigt. Die KursleiterInnen informieren alle neuen TeilnehmerInnen über die Kurse, die von den Sendern selbst, der Regierung und in einigen Fällen anteilig von den TeilnehmerInnen finanziert werden. Die KursleiterInnen werden von der Radio Schule ausgewählt und für ihre Arbeit bezahlt. Die LeiterInnen kommen oft von anderen Community-Radio, abgesehen von denen, die eine Einführung in die Radiotechnik geben. Dies föreert den Austausch zwischen den Community-Radios und hat den Vorteil, dass die AusbilderInnen neutral, weil nicht an der Radio Schule angestellt, sind. Ein regelmäßiges “Training für Trainer” findet nicht statt, da diese qualifizierte JournalistInnen sind und diesen Beruf seit Jahren ausüben. Diese Art Kurse werden allerdings dann angeboten, wenn Bedarf besteht.
Bevor die TeilnehmerInnen auf Sendung gehen, besuchen sie Kurse, die zwischen 2,5 und 4 Tagen dauern, nach deren Abschluss sie weiteres Training erfragen können. Die KursleiterInnen jedes Senders oganisieren gemeinsam mit klipp+klang Feedbackrunden. bei “3‑Fach” gibt es individuelle Zeiten von einer Stunde alle sechs Monate für Feedback. Die tägliche Unterstützung für neue RadiomacherInnen funktioniert in den einzelnen Sendern unterschiedlich: Bei manchen ist die Radio-Crew immer erreichbar um Fragen zu beantworten, andere können nur wenig Unterstützung geben. Der zeitliche Gesamtaufwand für die Kurse beträgt zwischen 15 und 18 Stunden, wobei die Kurseinheiten zwischen 3 und 6,5 dauern und zwischen den Einheiten 2 bis 7 Tagen liegen.
2) Ziele — Interesse am Community-Radio und Radio im allgemeinen entwickeln — Grundlagen des Radio-Journalismus erlernen — die Situation der Medien in der Schweiz kennenlernen — Ein Konzept für eine Radiosendung entwickeln und am Ende des Kurses umsetzen — Das Radioprogramm mit Inhalten füllen — den jeweiligen Sender kennenlernen — andere am Radiomachen Interessierte kennenlernen — Lernen, wie man Feedback erhält und anderen TeilnewhmerInnen gibt.
3) Themen der Kurse — Die Schweizer Medienlandschaft inklusive der Community-Radios — die Strukturen der Sender — Mischpult und Studio — Außenaufnahmen — Audio-Bearbeitung — journalistische Haltung — Schreiben fürs Hören — Interview — Recherche — die Rolle des Moderators/der Moderatorin — Aufnahme einer Übungssendung — Feedback
4) Struktur und Ablauf der Kurse — Die KursleiterInnen arbeiten hauptsächlich mit dem offiziellen Handbuch der Radioschule klipp+klang, Handreichungen und Flipcharts. Die Kurse sind in drei Teile gegliedert:
Erster Tag — Community-Radio, Aufnahme, Bearbeitung, Studiotechnik und Feedback, also hauptsächlich praktische Arbeit sind Thema und werden nach der Methode des problemorientierten Lernens angegangen: zunächst probieren die TeilnehmerInnen selbst alles aus, danach folgen nötige Erklärungen. Das funktioniert vor allem im Studio sehr gut. die Struktur der Kurse folgt in etwa diesen Schritten: Einführung, theoretische Grundlagen zur Aufnahme von Tonmaterial, Aufnahme im Studio, Außenaufnahme, Schnitt und Montage, Anhören und Feedback, Verbesserungen, Erstellen einer sendefähigen Audio-Datei.
Zweiter Tag: orgens werden Moderation und das Live-Sprechen geübt, wozu es im Anschluss jeweils Feedback gibt. Nachmittags treffen sich die einzelnen Gruppen, um zu recherchieren und zu entscheiden, welchen teil der Sendung am dritten Tag jede/jede übernehmen will.
Dritter Tag: Wenn nötig, werden bisher nicht beachtete Themen entsprechend der Bedürfnisse der TeilnehmerInnen — z.B. interview, Moderation — besprochen. Dann wird weiter an den Sendungen gearbeitet um letztlich die Sendung zu produzieren, anzuhören und Feedback — auch für den gesamten Kurs — zu geben.
5) Auswertung — Die Kursauswertung erfolgt mittels eines “lesson-learned-checks” anhand der entstandenen Sendungen, des mündlichen Feedbacks, einer abschließenden Feedbackrunde und standardisierter Auswertungsbögen.
Österreich: Radio ORANGE 94.0, Radio FRO, Radio Helsinki, Freies Radio Innsbruck (FREIRAD 105.9), Proton — das freie Radio, Frfeies Radio Freistadt, Radio op, Freies Radio B138
1) Kontext und formale Aspekte — 4 Sender veranstalten 5–8 Einstiegskurse pro Jahr, 3 geben mehr als 12 Kurse, andere geben zwischen 9 und 12 Einstiegskurse pro Jahr und wenden sich damit an Menschen, die Radio machen wollen. Vor allem Angehörige von kulturellen und ethnischen Minderheiten, Menschen mit wenig Zugang zu Massenmedien aber auch:
- Schulklassen und Teams von NGOs, die auf Sendung gehen wollen
— StudentInnen
— Die queer-femistische Community, ob ausschließlich für Frauen oder Menschen mit entsprechenden besonderen Bedürfnissen
— Umwelt- und Polit-AktivistInnen
Die Leute werden mittels Flyern, Werbung auf den Webseiten der Sender, Newsletter, Mailinglisten, Mund-zu-Mund-Propaganda, persönliche Kontakte, Anzeigen in der Lokalzeitung, Radiospots, facebook und andere soziale Netzwerke eingeladen. Die Kurse werden in der Hauptsache durch die Sender, öffentliche Gelder und die TeilnehmerInnen selbst finanziert. Die Kursleiter werden bezahlt, geben aber auch manchen Kurs auf freiwilliger Basis. COMMIT und der VFRÖ bieten zudem “Train-the-Trainer”-Kurse an. Oft werden die KursleiterInnen von den GeschäftsführerInnen ausgewählt, bei Radio Helsinki sind die KursleiterInnen freiwillig Teil des Ausbildungsteams. Bevor die TeilnehmerInnen auf Sendung gehen besuchen sie Einstiegskurse, die zwischen einem halben und vier Tagen dauern. Radio ORANGE und das Freie Radio Freistadt betreuen die TeilnehmerInnen nach den Kurse individuell. Radio FRO, Freies Radio Innsbruck und Proton bieten Unterstützung bei Bedarf. Bei B138 werden die SendungsmacherInnen bei ihrer ersten Sendung betreut, da der Einstiegskurs sehr kurz ist. Bei Radio op gibt es nach den Einstiegskursen regelmäßige Übungen. Der gesamte Zeitaufwand für die Kurse variiert zwischen 8 und 24 Stunden, wobei die einzelnen Kurseinheiten zwischen 2 und 8 Stunden lang sind und in einem Zeitraum von einem Tag bis zu einem Monat stattfinden.
2) Ziele — journalistische und technische Fähigkeiten zu lehren — TeilnehmerInnen zu motivieren — das Verstehen des eigenen Senders zu festigen — Mediengesetzgebung
3) Inhalte — Geschichte des Freien Rundfunks in Österreich — Österreichs Mediengesetz — Einführung in Funktion und Handhabe der Studioausstattung (digitale Aufnahme, Studiotechnik) — Einführung in den Radiojournalismus (Sprechen, Recherche, Interview, Audiobearbeitung, Nachrichten, Moderation) — Planen einer Radiosendung — Cross-mediale Produktion — Veröffentlichung
4) Struktur und Ablauf der Kurse
Radio FRO
Erster Tag, 8 Stunden: Grundsätzliche Informationen zu Community-Radios, Einführung zum Mediengesetz, Studiotechnik und allgemeines Arbeiten in einem Radiosender, Produktion einer live-Sendung.
Zweiter Tag, 4 Stunden: Aufbau einer Sendung und verschiedene Sendeformate, Interview.
Dritter Tag, 4 Stunden: journalistische Arbeit (Recherche, Medienrecht), cross-mediale Beröffentlichung.
Vierter Tag, 4 Stunden: Vorproduktion, Audiobearbeitung, Studiotechnik, live on Air, Planung und Produktion einer Sendung.
Radio Helsinki
Erster Tag: Geschichte und Gesetzgebung, theoretische Aspekte
Zweiter Tag: Studio, Aufnahmegeräte, praktische Aspekte
Freies Radio Innsbruck
Erster Tag: Einführung in Community-Radios in Österreich und die Radiotechnik
Zweiter Tag: Informationen zu Freirad und live-Sendung
B138
Der 5‑Stunden-Kurs beinhaltet Community-Radio, Medienrecht, Sendungsformate, live-Sendung, Feedback
Radio Proton
Erster Teil: historischer Überblick zu Community-Radios, Medienrecht, Studiotechnik
Zweiter Teil: Aufnahmegeräte, Mikrophone, Studiotechnik revisited
Freies Radio Freistadt
Ein-Tages-Kurs: morgens gibt es eine Einführung und theoretische Grundlagen. Nachmittags werden Themen gewählt, wird die Sendung geplant und vorbereitet (Aufnahme und Bearbeitung von Interviews, Erstellen des Skriptes, Moderation), live-Sendung, Feedbackrunde
Radio op
Learning-by-doing, Kontrollhören, Feedback während des Anhörens
Radio ORANGE
Erster Tag: Praktische Einführung
Zweiter Tag, Abendsession: Vorproduktion
Dritter Tag, Abendsession: Medienrecht und Medienethik
Vierter Tag, Abendsession: live-Show. Auch wenn es einen grundsätzlichen Ablaufplan gibt, können die kursleiterInnen ihre Methoden frei wählen. Alle verwenden Handbücher und Handreichungen.
5) Auswertung — es gibt sowohl mündliches als auch schriftliches Feedback. Anhand der entstandenen Sendungen sind die erworbenen Kenntnisse abhörbar. Alle KursleiterInnen werden über die Ergebnisse informiert.
Ungarn: Civil Radio / Bund Freier Radios von Ungarn
1) Kontext und formale Aspekte — Civil Radio organisiert 5 bis 8 Einstiegskurse pro Jahr. Die wichtigsten Zielgruppen sind ältere Bürger und StudentInnen. Civil Radio steht allen offen, “die der Welt gegenüber genauso offen sind, etwas für ihre Nachbarschaft tun wollen und anderen etwas zu erzählen haben.” Civil Radio macht für die Kurse Werbung mittels professioneller Mailinglisten der NGOs, der Lokalzeitungen und Radios, auf der Webseite und auf kostenlosen sozialen Netzwerken wie Facebook. Die Kurse werden von Sender selbst finanziert. Die KursleiterInnen werden für diese Arbeit nicht bezahlt. Es gibt keinen streng formalisierten Kursablauf. Die KursleiterInnen lernen aus ihren Erfahrungen und von einander. Bevor sie auf Sendung gehen, sollten die TeilnehmerInnen 1 bis 4 Tage lang die Kurse besuchen. Nach dem Grundlagentraining versuchen die KursleiterInnen über sechs Wochen hinweg sie neuen SendungsmacherInnen zu begleiten und ihnen Feedback zu den Sendungen zu geben, außerdem sind sie auch sonst immer da, um Hilfestellung zu geben. Der zeitliche Gesamtaufwand beträgt zwischen 24 und 30 Stunden. Die Kurseinheiten dauern von 1 bis zu 8 Stunden, wobei diese sich auf bis zu 7 Tage verteilen.
2) Ziele — allgemeine Kommunikationsfähigkeiten entwickeln, neue Medientechnologien und — Werkzeuge erlernen, Radio-jouranistische Fähigkeiten entwickeln (Fragetechniken, Führen von Interviews, Audio-Bearbeitung u.s.w.). Am Ende sollten die Neulinge in der Lage sein, eine eigene Sendung — live oder vorproduziert — zu machen.
3) Inhalte — Recherche, schreiben, Interview, frei zugängliche Medien-Werkzeuge ( online-Tools, Blogs, Webradio, facebook u.ä.)
4) Kursaufbau und Ablauf — Allgemeine Kommunikationsfähigkeiten/ Medienrecht/Mediengeschichte, öffentlich-rechtliche Medien, privat-kommerzielle Medien, Community Medien (Analyse von Medien-Inhalten), einführung in die Arbeit mit Medienwerkzeugen, praktische Arbeit (Wie man Nachrichten über unsere Aktivitäten schreibt, Leute in die Sendung einlädt, Fragen stellt und die Aufmerksamkeit der HörerInnen/LeserInnen erlangt. Meist werden Handouts verteilt.
5) Auswertung — Diese erfolgt durch mündliches feedback der TeilnehmerInnen nach den Kursen. Gelegenheit zum “Lesson-learned-Check” bieten die produzierten eigenen Sendungen. Alle KursleiterInnen werden über die Ergebnisse der Kurse informiert.
Irland: near fm
1) Kontext und formale Aspekte — near fm organisiert zwischen 9 und 12 Kurse pro Jahr. Die Zielgruppen sind neue Freiwillige, Angestellte und MigrantInnen. Near fm erhält oft Anfragen, wie man als Freiwillige/r mitarbeiten kann. Manche werden auch durch das Arbeitsamt vermittelt. MigrantInnen sind eingeladen, sich für die Kurse über eine Interessenvertretung zu bewerben. die Kurse werden vom Sender, durch die TeilnehmerInnen, das Amt für Erwachsenenbildung, den Europäischen Integrationsfond und die nationale Agentur Pobal finanziert. Einige KursleiterInnen werden bezahlt andere machen dies auf freiwilliger Basis. Die Kurse werden von near fm selbst organisiert. die KursleiterInnen werden durch externe Agenturen ausgebildet, die auf diese Art Ausbildung spezialisiert sind. Bevor die TeilnehmerInnen auf Sendung gehen sollten sie für 3 bis 4 Tage an den Kursen teilgenommen haben. Nach den Kursen gibt es individuelles Training in speziellen Aufgabenbereichen (digitale Bearbeitung, Klanggestaltung u.s.w.) Neue Freiwillige sollten mindestens für vier Stunden das Live-Programm begleiten um diesen Prozess zu verstehen. mindestens eine Person betreut die Studios von 9 Uhr morgens bis 7 Uhr abends; sollte darüber hinaus Unterstützung von Nöten sein, lässt sich das organisieren. Die Einstiegskurse auern insgesamt 20 Stunden, wobei eine Einheit zwischen 1 und 2 Stunden dauert und diese sich über 2 bis sieben Tage verteilen.
2) Ziel — Den Ethos von Community-Radios und near fm; die Art, wie wir Sendungen produzieren, zu verstehen.
3) Einführung zu Community-Radios(Ethos), Kontaktpflege, Interview und Recherche (Verbindungen zu Community- und Freiwilligen-Organisationen), Studio-Protokoll, mobile Aufnahmetechnik, Klanggestaltung, Produktionswerte, Bewerben der eigenen Sendung
4) Aufbau, Ablauf und Module der Einstiegskurse — Einführung zum Community-Radio — Was ist Medienkompetenz? — Gesetzgebung und Medien — Wie verwendet man die Studiotechnik und die mobilen Aufnahmegeräte? — Wie funktionieren Recherche und Interview? Wie stellt man eine Sendung zusammen? — Zusatzworkshop im Studio zu “Tu es” und “Lass es” bei der Interviewführung — Interviews in Zweiergruppen — Nachhören und Feedback — kopieren der Interviews. Zur Vermittlung all dessen dienen Handbücher und Handreichungen.
5) Aufwertung — findet in Form von Auswertungsbögen in der Mitte der Kurse und am Ende statt.
Deutschland: Radio Corax, Pi Radio Berlin, FSK Hamburg, Radio Unerhört Marburg, Radio Frei Erfurt
1) Die deutschen Sender organisieren zwischen 1 und 8 Einstiegskursen pro Jahr. Pi Radio gibt keine Einstiegskurse, bietet aber einen Einführung zur Studioausstattung. Die Zielgruppen sind Radio-Neulinge, Freiwillige, dieeine eigene Sendung machen wollen und — bei Radio Corax — PraktikantInnen. Die Kurse werden auf den Webseiten, auf Sendung, in Programmheften und Flyern beworben. Nur ein Sender nutzt dazu ein internes Netzwerk. FSK Hamburg erhält für die Kurse Mittel von der Medienanstalt, Radio Corax vom Jugendwerk der AWO, die anderen finanzieren die Kurse selbst und mit Hilfe der TeilnehmerInnen. Nur bei einem Sender werden die KursleiterInnen bezahlt. Einige LeiterInnen werden bezahlt, die meisten geben die Kurse auf freiwilliger Basis, aber alle werden von den Sendern selbst auf Grund ihrer Erfahrung ausgewählt. Es gibz nur sehr wenige “Train-the-Trainer”-Workshops die TrainerInnen lernen von den anderen TrainerInnen. Bevor sie auf Sendung gehen, sollten die TeilnehmerInnen einen halben bis drei Tage lang de Einstiegskurse besuchen. Bei den meisten Sendern ist auch nach dem Kursen Unterstützung von erfahrenen Mitarbeitern erhältlich. Beim FSK Hamburg werden die Neulinge in die bestehende Redaktion integriert. Nur Radio Frei erwähnt weiterführende Trainingseinheiten. Ein Einstiegskurs dauert 5 Stunden, die anderen zwischen 15 und 20 Stunden wobei eine Einheit zwischen 2 und 8 Stunden lang ist. Die Kurse finden freitags und sonnabends oder sonnabends und sonntags statt.
2) Ziele — Erfahren, wie Radio-Journalismus im Community-Radio funktioniert — den Freiwilligen die Fähigkeit übermitteln eine eigene Sendung zu machen
3) Inhalte — Themenfindung, Recherche, Aufnahme, Interview, Sendungsplanung, Sprechen, durch die Sendung führen, Philosophie der Community-Radios, Medienlandschaft, interne Richtlinien und Strukturen, Medierecht, Radio-Übertragung
4) Ablauf und Aufbau der Kurse
Radio Corax
Erster Tag: Der fängt damit an, dass die TeilnehmerInnen sich Themen überlegen, an denen sie arbeiten wollen, um ihnen anschließend die Philosophie der Community-Radio und die Medienlandschaft näher zu bringen.
Zweiter Tag: Suche nach Interviewpartnern und Führen der Interviews
Dritter Tag: Bearbeitung der Aufnahmen, Einsprechtexte verfassen, diese in die Reportage einbauen und alles zur fertigen Sendung zusammenbauen. Während der gesamten Produktion gibt es immer wieder theoretischen Input, dem die — geleitete — direkte praktische Umsetzung folgt.
FSK Hamburg
Erster Tag: Zwei Personen halten Vorträge zu den Einzelthemen, die Schritt für Schritt einem Stichwortkatalog folgen.
Radio Unerhört
Die 2 bis 2,5 Tage langen Kurse sind in 5 Einheiten — von Anhören zum selber senden — geteilt, wobei die TeilnehmerInnen am Ende eine eigene Sendung erstellen.
Radio Frei Erfurt
Nach den Methoden theoretischer Input, Schritt für Schritt, learning-by-doing in simulierten Situationen (Studio, Interview). die meisten Radios nutzen Handbücher und Handreichungen, Radio Frei zudem sein internes Wiki
5) Auswertung — Der “Lesson-Leaned-Check” findet statt, wenn die TeilnehmerInnen das erste mal auf Sendung gehen. Bei Radio Corax steht am Ende des Kurses zumeist eine fertige Sendung. Außerdem gibt es am Ende der Kurse Feedbackrunde.